Ich bin ein Gutmensch, und das ist gut so

https://www.nzz.ch/panorama/alltagsgeschichten/warum-ein-gutmensch-kein-guter-mensch-ist-1.18676154

Ich hatte vor einer Weile einen Beitrag hier in meinem Blog, den ich gelöscht habe, weil ich das erstmal sacken lassen musste, was mir da geschrieben wurde. „Hintenrum“ also nicht über öffentliche Kommentare, sondern als private Mails oder unter Benutzung des Kontaktformulars aus meinem Blog, erhielt ich ein paar erboste  Zeilen, vor allem, weil ich einem Junkie Geld geschenkt hatte. Ich weiß, dass ein Junkie sich umbringen könnte, wenn er zuviel Geld hat und sich soviel Stoff besorgen kann, dass er womöglich zu Tode kommt. Meinem Lieblingscousin ist das passiert, er hatte zwar mehrfach angedeutet, dass er nicht mehr leben wollte, dass er dann allerdings an einem Goldenen Schuss in einem verlassenen Bauwagen am Rande einer Müllkippe krepieren würde, das hat er sich vermutlich nicht so ausgesucht. Und ich erhebe keinen Anspruch darauf zu wissen, was richtig ist. Darum schrieb ich in meinem Beitrag auch: Die Eltern des Junkies, die meine ehemaligen Nachbarn sind, würden mein Handeln sicher ALS falsch beurteilen. Ich schrieb nicht, seine Eltern würden mein Handeln falsch beurteilen. Mir ist es egal, ob, wer und wann Jemand, wer es auch sei, mein Handeln ALS falsch beurteilt, weil ich selbst gar nicht weiß, was richtig und was falsch ist. So kann es also durchaus sein, dass es falsch war diesem ehemaligen Nachbarsjungen 100,00 Euro zu schenken, wo er doch sichtbar drogenabhängig, höchst wahrscheinlich überhaupt nicht Herr seiner Lage war.
Aber wer ist Herr seiner Lage? Es scheint mir immer mehr so zu sein, dass Niemand Herr seiner Lage ist und dass: „Und wie man sich bettet, so liegt man“  eine Ansicht ist, die ich nur noch mit ganz kleinem Horizont erkennen kann, in der Weite sieht es so aus, als ob man sich nicht betten kann, wenn da kein Bett ist und also liegt man auf dem Boden, und, wer sollte da die Macht haben sich zu betten?
Einer der Hintenrumschreiber hat mich als Gutmensch bezeichnet und das musste ich erstmal verdauen. Gutmensch ist ja eine Beschimpfung und Verurteilung, Gutmensch heißt ja, du bist falsch mit dem, was du tust und denkst und;  Es sei sowieso alles nur geheuchelt.
Und das habe ich nun, seit dem Löschen des Beitrages Mitte April, wie es meine Art ist, gründlich beobachtet, bei mir!
Und nun will ich mal aufschreiben, weshalb ich inzwischen doch glaube, ein Gutmensch zu sein. (Danke Micky Mo – http://de.gravatar.com/koeniglanggoens )
Jede Art von Veränderung im Leben, die ich vermeintlich für einen anderen wünsche ist geheuchelt, weil ich im Grunde nur wünsche, dass es mir selbst besser geht. Ich gebe zu, dass es mir TOTAL viel besser ginge, wenn alle Menschen auf der Erde, und von mir aus auch  – Kampfstern Galactica getreu (läuft grad wieder auf Tele 5) – im gesamten Universum, auf allen nur möglichen Planeten, dass also alle Menschen in Frieden und leidfrei leben würden. Aber ich will nicht so kleingeistig sein und natürlich auch alle anderen Lebewesen in meine Utopiawünsche miteinbeziehen. Ich bin ja kein Bodhisattwa, dazu lüge ich zuviel und ein Bodhisattwa, der hier mitliest 😉 hat mir mal gesagt, wer lügt, der wird nicht erleuchtet, aber ich wünsche mir trotzdem für alle Lebewesen Leidfreiheit, worin auch immer sie besteht.
Im obigen Artikel der NZZ wird gesagt, dass ein Gutmensch zwar Geflüchtete willkommen heißen würde, ihnen aber kein Zimmer in der eigenen Wohnung anböte. Dabei wird vergessen, dass Geflüchtete kein Zimmer in meiner Wohnung haben wollen, ich kann das sagen, ich hab‘s probiert. Bevor mir meine schöne Altbauwohnung gekündigt wurde, weil die Miete sich verdreifachte. Ich wollte gern meine damalige Wohnung mit Geflüchteten teilen, die Miete auch natürlich, da ist er wieder, mein Eigennutz als Gutmensch, schmunzel. Aber ich bekam immer die gleiche Antwort, nein danke, lieber warten auf eigene Wohnung! Ich habe sogar schon Obdachlose bei mir beherbergt, man denke nur an Komorabi, aber auch er wollte kein Zimmer, er wollte draußen schlafen. Was also kann ich tun außer Geld zu geben, insofern ich welches habe?!
Heute saß ich mit einer Zigeuneroma am Straßenrand, sie war so lustig drauf, neben ihrem Bettelbecher aus Pappe, hatte eine wunderbare Ausstrahlung und mampfte Erdbeeren, ich wollte ihr zehn Euro geben aber sie wollte nur einen Euro. Denn sie sagte mir: Wir brauchen nix Geld, aber auf den Straßen bitten und nehmen und danken und segnen ist unsere Tradition. Sie sagte nicht „betteln“ und dann lachte sie, nahm die zwei Euro, ich hatte kein ein Euro Stück und segnete mich mit der Hand auf dem Herzen und lachenden Augen, ich musste fast wieder losheulen.
Wahrscheinlich bin ich sentimental und naiv, wie es im obigen Beitrag aus der Züricher Zeitung steht.

Und ich habe das Geld von Chantal, bis auf einen kleinen Rest, den ich noch für eine Freundin aufgehoben habe, die ich demnächst endlich wieder treffe, ich habe das Geld von Chantal also an Menschen verschenkt, die es noch schwerer als ich hatten durch die Coronaeinschränkungen zu kommen, wie schon erwähnt, Künstler und andere Freischaffende. Auch einer Familie mit  arabischen Wurzeln und einer Menge Kindern haben wir geholfen mit internetfähigen Geräten für die Schule zu Hause und einigem anderen, was man eben nur kaufen kann.
Ich hätte davon drei Mal mit meiner Tochter und meinem Enkelkind an die Ostsee fahren können, aber ich fühle mich wohler damit, mir diesen unnötigen Luxus nicht zu gönnen und damit lieber Menschen in Not zu helfen. Und das mache ich eben für mich, weil ich es nur schwer verdrängen kann, wie schlecht es anderen geht. Wie hätte ich mir eine Clavinova in Flügelart kaufen sollen, dann daran sitzen und spielen, während um mich herum das Leiden immer krasser wurde? Chantal und ihr Liebster konnten das auch nicht, deshalb haben auch sie und ihr Mann Geld verschenkt.
Vermutlich sind beide auch so feinfühlig und in Verbundenheit mit anderen, wie viele das inzwischen sind. Vielleicht ist auch das eine Art des Erwachens der Menschheit zu einer mitfühlenderen. verbundenen Ebene des Seins, ich hoffe es.

Und ja, ich glaube, dass die Welt ein lebenswerterer Ort für alle sein könnte und dass wir alle etwas dafür tun könnten. Aber natürlich muss jeder für sich herausfinden, was dieses Mithelfen an einer Vision einer lebenswerteren Welt für sich sein kann. Ich arbeite ehrenamtlich in einem Verein, mache kostenfrei Steuererklärungen für Bedürftige, und auch wenn das komisch klingt, auch Bedürftige müssen eine Steuererklärung abgeben, wenn sie selbstständig sind und sogar noch monatlich eine BWA erstellen und beim Sozialamt abgeben, wenn sie Grundsicherung erhalten wollen.


Aber nun kommt das, was ich schade finde, dass es eben im oben genannten Artikel nicht erwähnt wird. Ich erwarte nämlich nicht, dass Jemand so denkt und fühlt oder handelt wie ich. Weil ich mir oft gewünscht habe, ich könnte anders sein. Etwas dickhäutiger und so wie Muni mal an mich schrieb, ich solle mich abgrenzen und alles durch mich hindurch ziehen lassen, anstatt es festzuhalten. Erst mal können vor Lachen, sag ich da nur, wenn dich eine Welle trifft, mitten in der Wüste, da kannste nur staunen, weil du nicht gedacht hättest, dass es in der Wüste Wellen geben könnte. Aber es gibt sie, ich habe es erlebt, Sandwellen. Sie kommen so schnell und hauen dich um, dass man das nur unbeschadet übersteht, wenn man einen geübten Führer hat. Aber wer ist ein geübter Führer beim Wahrnehmen von Leiden? Wer kann wissen, wann es erscheint und einen umhaut?

Als ich einmal eine Horrornacht durchlebte, am nächsten Morgen zu meiner Tochter sagte, heute Nacht ist Jemand gestorben und hat es endlich geschafft, ich konnte wieder gut atmen und fühlte mich erleichtert, da stellte sich heraus, es war die Oma eines guten Freundes meiner Tochter, die schräg über ihr wohnte in der Schweiz und ich hatte das alles mitfühlen müssen. Leicht war das nicht.

Und natürlich frage ich mich auch, weshalb ich das hier eigentlich aufschreibe. Will ich Aufmerksamkeit, will ich angeben, will ich den Moralapostel spielen, zeigen was ich für ‚ne Gute und Tolle bin? Habe ich keinen Friseur, der mir zuhört 😉 , keine Freunde oder sonstjemanden den das hier interessiert? Vielleicht von allem etwas oder auch nicht. Es gibt ja einige meiner persönlichen Freunde, die hier mitlesen und auch hin und wieder etwas kommentieren. Ich habe allerdings eine Ahnung, warum ich bin, wie ich bin. Erstens hatte ich eine hellsichtige und hellfühlige Großmutter, kurz vor ihrer Demenz wurde auch meine Mutter sehr stark hellfühlig, dann bin ich in der DDR aufgewachsen, dort  hieß es ja:

    „In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen – erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“

– Karl Marx: Kritik des Gothaer Programms, MEW 19:21

https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Marxismus/Zitate/44

Das ist m.E. auch die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens und auch im Buddhismus, mit dem Wunsch alles Leiden für alle fühlenden Wesen zu beseitigen eine Idee, die mich geprägt hat. Was ich aber auch glaube, das ist eine Vorstellung, die Paolo Coelho in einem seiner Bücher propagiert, das ist die Gefälligkeitsbank, in welcher man in eine auf der geistigen Ebene vorhandene „Sammelbüchse“ wohlwollende Handlungen einzahlt und dafür wohlwollendes erntet. Also doch vollkommen eigennützig und heuchlerisch, ich sags ja, ich bin ein Gutmensch.
Ob das gut so ist entscheidet eine andere Instanz als ich selbst.

Und zum Abschluss noch der Hinweis an den besorgten, hier mitlesenden Menschen, der Angst hatte, dass der drogensüchtige Nachbarsjunge von dem geschenkten Geld den Tod findet. Mir fiel das alles heute  ein, weil ich mal wieder zu meiner Bank musste und es, auch mal wieder, keine kleinen Scheine  im Automaten gab. Also bin ich wieder zu der anderen Filiale im armen Teil von Moabit gelaufen und da stand, neben der Bank wo sonst die Junkies betteln, ein Wohnmobil von Synanon. Sie bieten jetzt einen Spritzraum an, mit sauberem Besteck, einer Möglichkeit zum Waschen und Essen, kostenlos. Ich habe nach dem Jungen gefragt und sie kannten ihn, er lebt noch, ist auf Entzug in einer Klinik.
Und na klar, wie zu erwarten war, habe ich auch den Synanonleuten eine Spende gegeben. Zum vorletzten Gedanken, warum ich das hier mitteile, gibt es vielleicht auch noch die Möglichkeit, dass ich einfach nur gern aufschreibe, was mich bewegt und sowie etwas Zeit dafür ist, neben all den Alltagspflichten, an den PC stürme und drauflostippe, ganz gutmenschmäßig frei aus dem Herzen, lach!

Und ganz zuletzt noch ein Emailverkehr, den ich heute erlebte, ich hoffe nicht, dass ihr meine Beiträge auf diese Weise lest. Es ist schon erstaunlich wie Menschen agieren und auf etwas reagieren, was das Gegenteil von dem ist, was geschrieben steht – unglaublich:

Ich schrieb:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Anliegen bezieht sich auf die nach Wasser dürstenden Bäume in unserem Hof.

Vor zwei Jahren hatte ich schon mal diesbezüglich mit Frau …………. gesprochen und sie sagte mir, dass der Grünanlagendienst das schon regeln würde mit der Wassergabe.

Nun ist es der dritte Sommer in welchem nicht ein einziges Mal von diesem Dienst Wasser an unsere Bäume gegeben wurde.

Ich hatte mich bereit erklärt, das zu tun aber der Wasserhahn im Hof ist abgestellt und auch dafür hatte mir Frau ……….  Gründe genannt.

Sie hatte mir erlaubt mit der Gießkanne die Bäume zu gießen aber ich bin nicht mehr fit genug um dies zu bewerkstelligen, denn das Wasser muss ich dann aus der Waschküche durchs Treppenhaus tragen Treppen hoch und runter und dann durch den halben Garten bis zu den Bäumen, ich habe es aus Liebe zu der Natur versucht aber nach dem 10. Mal war ich fix und fertig und den Tränen nah, ganz zu schweigen von meinen Rückenschmerzen.

Vielleicht können wir also eine andere Lösung finden?

Unser Hausmeister ist doch jeden Donnerstag von halb elf bis elf in unserem Haus wegen der Waschmarkenverteilung und da könnte er doch den Außenhahn anstellen, sodass ich in dieser halben Stunde gießen könnte und dann stellt er ihn wieder ab um elf und so wäre es kaum anders, als wenn ich das Wasser aus der Waschküche hole.

Ich bitte sie inständigst um Hilfe, die Bäume haben in den letzten drei Jahren, die ich hier wohne schon einige abgestorbene Äste bekommen und ich kann doch dem Baumsterben nicht zusehen, wo ich schon hier im Haus dem Sterben der Menschen beiwohnen muss. Ich hoffe, dass sie auch am Erhalt der Bäume interessiert sind und würde mich über eine positive Antwort sehr freuen.

Herzliche Grüße

Und gerade kam die Antwort:

Sehr geehrte Frau ……..

vielen Dank, dass Sie sich wegen des Wässerns der Grünanlage an uns

gewandt haben.

Wir können uns jedoch lediglich auf die bereits erteilten Auskünfte

beziehen, dass die Firma, die mit der Pflege der Grünanlage beauftragt

wurde, ebenfall den Auftrag zum Wässern hat. Dies soll nach Rücksprache

mit dieser jetzt sukzessive beginnen.

Wir bitten um Verständis, dass es weder zu den Aufgaben des Hauswarts

gehört, die Grünanlage zu wässern, noch hat er die entsprechende

Ausstattung hierfür.

Freundliche Grüße

Putin, Biden und ganz viel rosa

In den letzten Tagen hatte ich zwischendurch immer mal wieder Gelegenheit in die Blogs von Stefan reinzuschauen.

https://laforgesita.wordpress.com/2021/06/12/die-vergessene-musik/

Es gibt da eine für mich interessante Unterhaltung über Mainstream und rosa.

Und das führte mich zu dem, was ich hier nun aufschreiben möchte.

Gestern sah ich in den Nachrichten Putin und Biden, Händeschütteln – jippiiih, das geht nun wieder. Ich bin eine Händeliebhaberin, mit Hingabe. Ich gebe Hände, nehme Hände, halte Hände, drücke Hände, fasse zu mit beiden Händen und trage auf Händen, kleine Kinder oder Tiere z.B.

Trotzdem war ich niemals Mainstream oder rosa.
Keine Katzentassen im Büro, auch keine Familienfotos, keine Verniedlichungen, keine Spitznamen, keine bunten Haarspangen und keine bunte Kleidung.
Einfarbig im Erscheinungsbild, nach außen. Meine innere Farbenpracht hielt ich deutlich unterm Scheffel. Jedenfalls im sogenannten Reallife, auf meinen Blogs oder in Foren zu spirituellen Themen, da habe ich mich farbenfroh gezeigt. Nicht weil es ungefährlich war, sondern weil da jeder die freie Wahl hat, ob er meinen Mist lesen möchte oder nicht.
Und um diese Wahl ging es Putin vermutlich als er sagte, dass Navalny wusste, was ihm droht, dass es ihm egal war und dass er bewusst gegen Gesetze verstoßen hätte.
Für mich ist das der Unterschied zum Rassismus. Von welchen Rassen du abstammst, das kannst du dir nicht aussuchen, auch wenn wir das Wort -Rasse- nun aus unserem Wortschatz streichen sollen, wie nennen wir dann zukünftig den Rassismus, den es doch zu bekämpfen gilt? Indem wir Worte verbieten?
Der Oppositionelle aber, der kann wählen, sich entscheiden und seine Motive sind eben seine Sache. Ich erlaube mir das zu sagen, weil ich in der DDR 1982 einen Ausreiseantrag gestellt hatte und dann 4 Jahre bis zur Ausreise eine ganze Menge Erfahrungen sammeln „durfte“, wie es ist als staatsfeindlich eingestuft zu werden.

Und ich mag Putin trotzdem. Angeblich soll Biden gesagt haben, dass Putin keine Seele hätte und Putin soll gelacht haben. Ich habe übrigens viel Kontakt mit Russen gehabt und habe ihn noch immer, es war noch keiner dabei, der keine Seele hätte. Was Putin meines Erachtens nicht hat, ist das emotionale Gejammer über das Unrecht in der Welt, nicht mal in seiner eigenen. Denn dieses Gejammer hilft Niemandem. Auch wenn ich Biden mag, weil er ein Amerikanischer Präsident ist, wie er meinen Vorstellungen entspricht, mag ich aber das Getue der Amis nicht, genauso wenig wie das Getue der Italiener. So ist das nun mal mit den persönlichen Vorlieben und Aversionen, wir können uns diese nicht aussuchen, wir können sie nur wahrnehmen und Stück für Stück immer weniger ernst damit sein.
Und dass ich rosa bisher nicht mochte ist auch nur eine persönliche Aversion gewesen, dieses Jahr nun ist mein Balkon ein Traum in rosé 😉

für Manchen sicher ein Alptraum, für mich erstmal gewöhnungsbedürftig. Aber unser alteingesessenes (40 Jahre) Blumencenter hat die Coronaschließzeit nicht überstanden und nun gibt es Balkonblumen hier in der Nähe nur beim Fidschi und ich darf das Wort in der Öffentlichkeit auch nicht benutzen, ich weiß. Also dann auf Neudeutsch in einem Blumenladen mit vietnamesischen Verkäufern, die irgendwie auf rosa und lila stehen.
Als ich mal morgens da rein kam und die TAZ in der Hand hatte, da hob der ältere Verkäufer den Arm und ballte eine Faust und dann sagte er: Rot Front! Ich musste lachen und antwortete: Immer bereit! – und dann lachte er. Er selbst nennt sich Fidschi, weil ich seinen Namen sowieso nicht aussprechen könnte, meinte er und ich gebe ihm immer Trinkgeld und er schenkt mir eine langstielige Blume, jedes Mal.

Aber genau heute, wo die Rigaer Straße brennt und die selbsternannten Autonomen ihre Vorlieben für Gewalt ausleben, da sagte mir der Verkäufer: „Diese Linken sind schon lange nicht mehr links, die sind nur noch link!“ Und ich war beeindruckt von soviel deutschem Wortwitz bei einem asiatischen Blumenhändler. Und noch faszinierter war ich als er mir, praktisch im Vorbeigehen, sagte: „Es sind ja nicht Polizisten, die von Hausbesetzern mit Steinen beworfen und verletzt werden, es sind Menschen, die andere Menschen verletzen und denken, dass sie das Recht dazu haben.“
Da möchte ich nicht wissen, was der Mann in Vietnam oder hier in Deutschland so alles erlebt hat, ich kann es mir ausmalen, schaudernd.
Und darum nenne ich ihn ab heute auch nicht mehr Fidschi sondern Herzblatt in rosa, ich hoffe, dass das auf mich abfärbt, wenn ich lange genug auf meinem rosa Balkon sitze und über das alles nachdenke.

Frieden ist Fußbad

Endlich habe ich einen umweltfreundlichen Badezusatz gefunden, der auch schäumt!
Früher brauchte ich das gegen mein inneres Schäumen, denn da half mir nur Schaum, Schaum im Fußbad.
Man muss damit spielen können, mit dem Schaum. Mindestens so, dass er Teile der Füße verdeckt und die Zehen damit Pingpong spielen können, sonst entspannte es mich nicht.

Und Entspannung war fast täglich dringend von Nöten.

Ich will nicht aufschreiben wovon ich so entspannen musste, das würde alle nur noch langweilen. Ich will nur aufschreiben, dass ich entspannt bin, gerade jetzt, nach einem solch schönen Fußbad mit allem Drum und Dran. Seidenweich fühlt es sich an, sogar an den Hacken und da habe ich meine Metapher, dass sich neuerdings auch meine Macken seidenweich anfühlen. Als hätten sie ein Fußbad mit ganz viel Schaum genommen, wären aufgeweicht worden, während sie spielten und  hätten nun ausgespielt.

Die ganzen Aufreger der letzten Jahrzehnte haben ausgeschäumt. So als wäre das Fußbad kalt geworden. Der Schaum hat sich gelegt, übrig blieb eine trübe Pfütze. Denn der Trog leerte sich beim Schaumspiel, er schwappte immer weiter über den Rand, bis im Gefäß nur noch ein kleiner Rest vorhanden war, den man locker vernachlässigen und wegschütten kann.

Geblieben ist nur das Gegenwärtige und die Einsicht, dass es pure Kraftverschwendung ist sich zu echauffieren über das, was geschieht.

Allerdings habe ich zu all dem, was mich früher erregte zwar keine standhafte Meinung mehr aber ein Gefühl, ein starkes zumal.
Dieses Gefühl ist Trauer.
Keine Trauer bei der man nach Trost sucht, keine Trauer bei der man weinen möchte, weil dies Erleichterung verschafft, wenngleich das Weinen manchmal einfach aus mir herausläuft. Nicht dramatisch mit Schluchzen oder passenden Gedanken, die erkennbar dazu führten, sondern einfach so.
Bei einem Spaziergang z.B., wenn Vögelchen still auf einem Zaun sitzen und nicht wegfliegen, wenn sie mich wahrnehmen, sondern einfach da verweilen, sich nicht bewegen und ich erstaunt stehen bleibe und hinfühle.

Oder wenn sehr warmes Wasser in der Dusche über mein Gesicht läuft und es sich mit Seife gemischt zu einem wunderbaren Duft vereint, der mir in die Seele strömt, dann plötzlich weint es aus mir heraus, leise.

Oder als der Flieder blühte und ich sah, wie die Jogger an ihm vorbeirannten, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen, wie Kinder von Eltern gegängelt nicht stehen bleiben durften, wie die Wiesen drumherum ihren Duft an die Bienen verströmten und Kinder Angst haben, von den Bienen gestochen zu werden und hysterisch wegrennen, während mein inneres Kind die Schuhe auszieht und Gras spüren muss und etwas in mir bemerkt, dass es sich fast schämt dies zu tun, als ältere Frau unter den Augen der strengen fremden Eltern und der fliehenden Kinder.
Und es fragt in mir: „Hatte ich jemals Angst vor einer Biene auf einer blühenden Frühlingswiese?“
Natürlich nicht, und auch dann weint es plötzlich aus mir heraus.

Ich lese ein Buch, ein schönes zumal und dann steht da ein Satz, ein paar aneinandergereihte Worte und ich muss anhalten, dies atmen und wieder weint es, dieses leise Weinen.

„Schönes und Trübes verteilt sich auf die dahinfliehenden Tage. Die leise lärmenden, unaufgeregten Dinge geschehen weiter, nur deshalb schreibe ich, damit du siehst, wir hören nicht auf zu leben, nein, trotz allem leben wir weiter, auch wenn es sich anders anfühlt, als sei das Leben dem Leben entwichen und habe uns nur seine Hülle gelassen.“
(aus Zsuzsa Bank – Schlafen werden wir später)

Und manches Musikstück spielt – schlägt im gleichen Takt, wie mein Herz und erst spät, sehr spät im Laufe des Zuhörens wird mir klar, dass es ein Stück in Moll ist.
Mich erstaunt das tief, denn wie kann ein Herz in Moll schlagen, während man sich glücklich fühlt?
Bisher dachte ich immer das sei melancholisch aber nun stelle ich fest, die Beschreibung – Melancholie – trifft es nicht.
Und was es ist erforsche ich noch.

Da ist kein – wozu -, da ist „nur“ Leben

Seit nunmehr einem Jahr frage ich in mich hinein, was bei mir in Wahrheit los ist, dass ich kaum noch verstehe, was abgeht.
Weder erlebe ich eine Zustimmung zu dem, was geschieht, noch eine Ablehnung.
Für mich ist es irgendwie fremd geworden. Fremd im Sinne von, dass ich mich in all dem äußeren Trubel nicht mehr wiederfinde, nicht einordnen kann. Obwohl ich täglich auf einem „Anarchieblog“ lese, was da geschrieben steht, fühle ich mich nicht anarchisch mitschwingend. Obwohl ich täglich die sogenannten Mainstream Nachrichten lese, ja sogar abends die Berliner Abendschau und anschließende Tagesschau sehe, fühle ich mich nicht angesprochen. Also weder im dafür, noch im dagegen und auch nicht im sowohl als auch aber auch nicht im weder noch oder mit einem dritten Standpunkt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir die Standpunkte abhandengekommen sind.
Und ich stelle immer mehr fest, dass es sich vollständig friedvoll lebt ohne Standpunkte.
Immer wieder habe ich mich gefragt, wozu dieser ganze spirituelle Weg diente, wozu ich jeden Morgen wieder erwache und einen weiteren Tag erlebe. Nicht, dass es mir an Aufgaben oder Inhalten fehlen würde, nein, ich habe einen vollen Alltag, nehme mir hier grad ein halbes Stündchen Zeit, während in der Waschküche die Maschinen für mich arbeiten und ich immer hin und her renne. Aber oftmals, wenn ich lese, was so ein Geschehen, wie Nahtoderfahrung oder sogenanntes Erwachen, also ausgelöscht im schwarzen Nichts und dann wieder ausgespuckt, was das also alles so mit anderen gemacht hat, die dann Lehrer wurden oder sich Bescheid wissend präsentieren habe ich für mich den Eindruck, dass es bei mir irgendwie schief gelaufen ist, denn mir wird immer mehr entzogen und damit meine ich nicht materielle Verluste, das war alles schon vor dem „nanu“. Eher so als ob das „Schwarze Nichts“ für diesen kurzen Augenblick nur ein winziger Vorgeschmack auf jenes war, was sich dann, innerhalb von einem Jahrzehnt zeigte.
Es fehlt mir auch nicht an Freude oder Begeisterung, wenn eben etwas Freudvolles oder Begeisterndes auftaucht und es fehlt mir auch nicht an Mitgefühl und zu Weilen auch Tränen, wenn eben Mitgefühl oder Tränen auftauchen. Im Grunde fehlt es mir an gar nichts, es ist einfach nur seltsam komisch, in dieser ruhigen unaufgeregten Anwesenheit im Sein zu existieren ohne, dass mich etwas triggert.
Vielleicht nennt man das auch Glück und ich kannte dieses Dasein bisher gar nicht, denn es ist nichts emotionales, es ist einfach eine stille Irrelevanz von Meinungen, Standpunkten oder Triggern aufgetaucht.
Wenn ich manchmal suche, wo ich mich noch aufgehoben fühle im Außen, dann ist das im Hier und Jetzt immer in der Natur. Im Innen bin ich in der Leere vollkommen sicher und es stellt sich nicht die Frage – wozu z.B. in die Stille gehen?! Ich bin diese Stille, da muss ich nicht „hingehen“ aber auch nicht weggehen, das ist, was ich bin, ganz ohne wozu, da ist einfach „nur“ Leben.

Von Herzen sende ich Grüße an euch alle

p.s. ein wunderbares Gefühl im Einklang mit mir selbst habe ich im Internet immer hier:

https://rameshwara.de/blog/

und hier:

https://www.freedom-teachings.com/ABOUT

Sei dir selbst der gute Hirte

Als ich mich als Jugendliche in der DDR habe taufen lassen, da bekam ich von unserem Pfarrersehepaar den Taufspruch – „ Der Herr ist mein Hirte……..“

Unter anderem kommt darin vor – „dein Stecken und Stab trösten mich“, als jugendlich Verzückte habe ich mir nicht so viele Gedanken darüber gemacht, was damit wohl gemeint sein könnte, denn ich bin ja in Ostberlin aufgewachsen und in der Schule, da haben sie uns prima eingebläut, wie man Texte zu interpretieren hat im Sinne der Machthaber, also ganz nach der Art, wie ich es gestern wieder in der ARD Tagesschau erleben durfte, wenn die Moderatorin sagt: „Und jetzt Tina Hassel aus unserem ARD Hauptstadtstudio in Berlin mit einem Kommentar wie die Situation zu deuten ist“.
Ja, das ist wirklich super, dass sie uns nicht nur erzählen, was sie als Fakten auswählen, sondern gleich noch dazu, wie wir die Sache zu deuten haben.

Im Laufe meines Lebens kam ich mit vielen Deutungshoheiten in Kontakt, am intensivsten war für mich die Deutungsgewissheit (!) über die Bibel und das Leben durch den Kurs in Wundern, der ja von Jesus diktiert sein soll. Aber auch im Kurs kommt Stecken und Stab nicht vor, also musste ich Blödie, weil ich mir ja kein eigenes Bild machen soll, mir die Deutungshoheit der christlichen Kirche reinziehen:

„Von den vier oder fünf Wörtern, die der Heilige Geist im hebräischen Alten Testament für „Stab“ benutzt, enthält unser Vers aus dem lieblichen Hirtenpsalm zwei, die zum einen mit „Stecken“ und zum anderen mit „Stab“ wiedergegeben sind. Wenn die Heilige Schrift, durch den Mund Davids redend, sagt: „Dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich“, so ist es, um den Trost für unser Herz aus diesem Vers zu empfangen, notwendig zu wissen, was mit „dein Stecken“ und „dein Stab“ gemeint ist.

Das erste Wort, hebräisch scheebeth, leitet sich von einer Wurzel ab, die „schlagen“ bedeutet; es bezeichnet also einen „Stock, Stab, Knüppel“ oder eine „Rute“. Dass es im Alten Testament auch für „Stamm, Herrscherstab, Zepter“ gebraucht wird, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Wichtiger und mehr unseren Gegenstand betreffend ist es, dass es in 2. Samuel 18,14 die Bedeutung von „Spieß, Wurfspieß“ hat.

Der Hirte in Israel und im Nahen Osten hatte nämlich einen knüppelartigen kurzen Stock, den „Stecken“, der am unteren Ende verdickt war und einer Keule glich. Geschickt wusste der Hirte diese Keule gegen Angreifer zu werfen, aber er benutzte sie auch, um widerspenstige Tiere seiner Herde zu bestrafen und zur Herde zurückzubringen. Auch schlug er mit dem Stecken auf Büsche und Sträucher ein, um schädliche Insekten oder Schlangen von seiner Herde fernzuhalten. Auf einen besonderen Gebrauch des Steckens weist die Heilige Schrift in 3. Mose 27,32, Jeremia 33,13 und Hesekiel 20,37 hin: Er diente auch zum Zählen der Schafe. Bei diesem „Unter-dem-Stabe-Vorüberziehen“ wurden die Schafe nicht nur gezählt, sondern der Hirt bremste sie beim Verlassen des Pferchs mit dem Stecken und untersuchte jedes Einzelne von ihnen auf Krankheiten oder Wunden. In der Tat, ein liebliches, bewegendes Bild, wenn wir es auf die treue Fürsorge unseres „guten Hirten“ für Seine Schafe übertragen!

Das andere, mit „Stab“ wiedergegebene Wort, hebräisch mischennet, ist von der Wurzel „sich stützen, lehnen“ abgeleitet. Das macht sofort deutlich, wozu der lange, an seinem einen Ende gebogene Hirtenstab in der Hauptsache dient: Der Hirte stützt sich nach mühevoller Wanderung darauf, indem sein Auge prüfend und wachend über seine Herde läuft. Nichts entgeht seinem Auge. Jede Unregelmäßigkeit, jede Querele, jede Unruhe unter seinen Schafen nimmt er wahr und schafft Abhilfe. Auch dazu benutzt er seinen langen, dünnen Stab; denn nicht immer wirft er seine Keule: Indem er seinen Stab an die Flanke des Tieres drückt, leitet er das einzelne Schaf an den Platz, wo er es haben will. Auch wird gesagt, dass der Hirte das gebogene Ende des Stabes dazu gebraucht, um neugeborene Lämmlein sanft auf die Beine und neben seine Mutter zu stellen.

So redet der Stecken von Autorität, Zucht und Verteidigung, während uns der Stab den Gedanken der Sorgfalt und Leitung vorstellt. Wahrlich, unser Herz wird warm, wenn wir an den Herrn Jesus, den großen Hirten der Schafe, und Seine nimmermüde Betätigung für uns denken! Und welch ein Trost liegt für uns darin, dass es Sein Stecken, dass es Sein Stab ist, die uns berühren!“

Nochmal in Fettdruck:

„Und welch ein Trost liegt für uns darin, dass es Sein Stecken, dass es Sein Stab ist, die uns berühren!“

Also mich haben immer nur menschliche Stecken geprügelt und menschliche Stäbe „berührt“ aber ich weiß schon, ich soll es philosophisch betrachten, vielleicht so wie mein leiblicher Vater es für sich in Anspruch nahm, wenn er mich grün und blau getreten hat, mit sogenannten Pferdeküssen malträtiert, mir die Kamelpeitsche, aus Ägypten als Souvenir mitgebracht, über den Rücken zog und dann meinte es sei nur zu meinem Besten.

Ich verzichte auf diese Behandlung, sogar wenn sie durch einen Gott ausgeführt werden sollte und ich sehe darin keinen Trost, sondern eine Anleitung zur Unterwerfung.

Darum sage ich auch: Sei dir selbst ein guter Hirte, du bist der einzige, der das für dich tun kann!

Und als ich heute über dieses Thema nachdachte, da fand ich die Videos von Brigitte eingestellt über Vanja Palmers, ich muss es gleich hier wiederholen, für Diejenigen, die es nicht kennen, hier aber lesen:

Und er sagt über die Menschheit im jetzigen Bewusstseinszustand:

„Der Rest der Schöpfung wird aufatmen, wenn wir nicht mehr da sind!“

Und dann ist er still und lächelt:


Danke an Brigitte ❤

Kontrolle oder Auflösung

„Eine „richtige“ (natürliche) Bewegung kommt aus dem Moment, sie entsteht aus der Präsenz und wird nicht deformiert vom Ego und seiner Notwendigkeit, Erfolg zu haben.“

Nathalie Delay

Meine Kenntnisse der französischen Sprache sind leider nicht ausreichend, um das gesamte Video wortgetreu zu übersetzen. Ich bemühe mich derzeit um eine muttersprachliche Übersetzung und warte noch auf die Antwort.
Den Inhalt möchte ich euch jedoch grade heute nicht vorenthalten, da er auch ohne die Einzelheiten gut verstanden werden kann.

Genau jetzt, wo die meisten spirituellen Lehrer ihre Botschaften mit politischen Überzeugungen verwechseln ist es umso befreiender sich den wenigen zuzuwenden, die sich nicht verstricken (lassen).

Darum wiederhole ich mal die obige Aussage von Nathalie Delay:

……… wird nicht d e f o r m i e r t vom Ego…….

Wenn also der Moment frei von den Erfolgsbestrebungen des Egos ist, dann taucht etwas Pures auf.
Als ich heute Morgen den Fischreiher entdeckte, da stand er stocksteif und bewegungslos, auf das Wasser starrend da und ich fühlte in diesem Moment eine tiefe Verbundenheit mit ihm. Ich blieb stehen und nahm mein Handy aus der Tasche, weil ich glaubte er würde einfach so stehen bleiben. Ich war also darauf aus ein Foto zu machen. Da ich mich aber gleichzeitig tief still mit ihm (und mit dem was ist) verbunden fühlte hörte ich meine innere Stimme sagen, mach ein Video und siehe da, plötzlich kam die Krähe und bewog den Reiher zu seinem kleinem Kreisgang.

Danach stand er wieder still und ich zog meines Weges. Noch ein paar Mal nahm ich das Handy heraus und fing ein, was mich jetzt beim erneuten Anblick erfreut und ich erinnerte mich an das Video von Nathalie, das sie grad erst gemacht hat. Sie zeigt auf, dass wir die Entscheidung haben, ob wir uns in die Erscheinungen verstricken (lassen) oder in Kontakt gehen mit unserer wahren Essenz.

Nochmal Nathalie:

„Im Angesicht von Widrigkeiten – ob auf persönlicher oder kollektiver Ebene – haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir reagieren, vor allem aus Angst oder Wut, oder wir gehen tiefer in uns hinein, um eine innere Stabilität zu entwickeln, die es uns erlaubt, dem Chaos mit Gleichmut zu begegnen. Chaos ist Teil des Lebens, es ist unvermeidlich. Ruhige und hektische Perioden wechseln sich ab. Dies ist eine der grundlegenden Eigenschaften des Lebendigen. Wir neigen dazu, nur das leben zu wollen, was bequem und angenehm ist. Was dagegen viel chaotischer, unbequemer, provokanter ist, das wollen wir ganz und gar nicht leben. Wenn diese Dinge passieren, stellen wir uns also vor, dass es ein Problem gibt, das unbedingt gelöst werden muss. Die Zeiten des Umbruchs sind dazu da, um uns aufzuwecken: „Jetzt reicht es, es ist wichtig, aus deinem Traum auszusteigen und die Realität klarer zu sehen. “ Wenn alles gut läuft, neigen wir dazu, uns in unserer Bequemlichkeit einzurichten und einzuschlafen; wir haben keinen Wunsch, dass sich die Dinge bewegen. Andererseits gibt es, wenn es zu ungemütlich wird, nicht mehr die Möglichkeit, zu stagnieren, auf seinen Positionen zu verharren. Wir können uns dann fragen: „Was will mir dieses Unbehagen zeigen? Wogegen wehre ich mich? “ Prüfungen helfen uns, in einen Prozess der Transformation einzutreten, um angesichts der Höhen und Tiefen des Lebens Flüssigkeit und Leichtigkeit zu finden. Ein Moment des Umbruchs ist eine Gelegenheit, die Essenz der Realität zu entdecken, die hinter dem Schein verborgen ist. Es ist eine Gelegenheit, uns selbst noch vollständiger und grundlegender kennen zu lernen, unsere wahre Natur zu erkennen. Anstatt Zeit und Energie damit zu verschwenden, sich über die äußeren Bedingungen zu beschweren, ist es wichtig, die Gelegenheit zu ergreifen, wenn sie sich bietet, und unter den äußeren Schein zu tauchen.

Also wende ich mich derzeit all dem zu, was mich unterstützt, mich von dem kollektiven Aufgebrachtsein aller Seiten dieser Pandemie nicht verstricken zu lassen. Dass sich sogar ein Daniel Herbst dazu hergibt die vermeintlich wahren Absichten hinter den nächtlichen Ausgangssperren enttarnen zu müssen, macht mir klar, wie verstrickt inzwischen fast alle geworden sind. Diese Epidemie ist ein großer Verstrickungserfolg des Egos, ganz egal auf welcher vermeintlich wahren, unwahren, richtigen oder unrichtigen Seite man steht.

Der 1. Mai ist ja in der Geschichte der Arbeiterklasse ein Kampftag, für mich ist er heute ein Ruhe- und Genusstag der Stille und der Schönheit des Daseins, jenseits aller Erregung und Verstrickungen des Verstandes:




Alle Zitate stammen von Nathalie Delays Seite:

https://www.nathaliedelay.com/de/


Cuoresenza

Herz ohne (Körper)

Etta Scollo erzählt auf dieser Platte von einem erstaunlichen Erlebnis, das ihr ganzes Leben verändert hat.
Eines Morgens erwacht sie in ihrem Bett aber es gibt keinen Körper mehr, er hat sich aufgelöst, übrig ist nur ein Herz.


Dieses Herz ist nun sehr verwirrt, dass es aufeinmal so ganz ohne Körper, ohne äußeren Schutz in diesen Tag hinausgehen soll. Weil es aber nicht mutig genug ist, sucht es nach seinem Körper, in dem es sich bisher so wunderbar verstecken konnte.
Zuerst sucht es in der Vergangenheit und begegnet dort allerhand Menschen und Situationen, die sich so ganz anders herausstellen, wenn man nur ein Herz IST  und keinen Körper mehr hat mit dem man sich verteidigen kann. Vieles ist sehr traurig aber vieles ist auch lebendiger und natürlich herzlicher ( 😉 ), soviel hat der Körper niemals getanzt, wie das Herz tanzt, wenn es ganz ohne den steifen Körpermantel umherzieht.


Daher fasst das Herz nun Mut und kommt in die Gegenwart, das allerdings ist schwerer als die Vergangenheit, denn nun hat das Herz Angst, was in der Zukunft passiert, wenn es seinen Körper nicht mehr wiederfindet. Da findet es unter dem Bett eine Truhe, die mit Perlen gefüllt ist und stellt fest, dass ein Herz ohne Körper tun kann, was es will, denn es muss ja keine Rücksicht auf die Empfindlichkeiten des Körpers nehmen. Es kann also Perlen zum Frühstück, zum Mittag, zum Nachmittag, zum Abend und in der Nacht essen und zwischendrinnen auch noch, soviel es mag.
Es könnte so ziemlich alles tun, wenn da nicht der Novak wäre.

Bis das Herz feststellt, dass sich der Novak nur mit der Moral des Körpers beschäftigt und wo kein Körper, da keine Körpermoral, also zieht das Herz los, ohne Körper und stürzt sich in all die Abenteuer, die der Körpernovak ihm vorenthalten hat.

Nun schwebt es über der Welt, hinein ins Universum, in Jenseits, ins Dortseits, von Paralleluniversum zu Paralleluniversum mit Quantensprüngen, die kleiner nicht sein können und größeres nicht bewirken könnten. Frei – endlich Frei, tanzen erst mit, dann ohne Walzertakt.

Aber frei, das heißt allein und wir alle wissen das, nicht erst seit Roland Kaiser, sondern seitdem wir selbst nur mit unserem Herzen unterwegs und frei von Moral waren, da gibt’s auf die Mütze und nicht nur vom Novak.

Also kehren wir alle wieder zurück, um den Preis, dass wir unsere Freiheit aufgeben und sinken wieder hinab in das alltägliche, das uns begrenzende und finden uns wieder mit all den anderen Körpern, bodenständig und auf der Erde, mit beiden Beinen, wie es so „schön“ heißt, aber wenigstens nicht mehr allein.

Und da wird auch das arme Etta Scollo Herz plötzlich fündig und hat seinen Körper wieder, liegt im Bett und wundert sich über diesen seltsamen Traum. Welcher Teil war nun das Erwachen?

Regen fällt auf meine Fensterscheiben, auch wenn es gar nicht regnet……….

Der Engel

Ich trinke nicht! Ich liebe meine Frau.
Ausschließlich meine, ich betone das.
Ich bin ein Engel. Fehlte nur noch, dass
ich Stschipatschows Gedichte wiederkau.

Das ist ein Leben! Ich bin müd und matt:
Verhüllt, ihr Fraun, die Täler und die Hügel.
Da ruckt es doch und zuckt im Schulterblatt,
aha, s’ist der linke Flügel.

Was tun? Was tun? Ich lebe so dahin.
Die Flügel wachsen, es kursieren Witze:
„Schon gehört, der Schneider macht ihm in
die Hemden, Jacken, Mäntel jetzt die Schlitze.“

Ich schlucke das. Weil ich ein Engel bin,
halt ich dem Schläger auch die andre Backe hin.
Ich bin ein Engel. Daß ich rauch
beweist nichts andres als: die Engel rauchen auch.

Ich wiege nichts mehr. Ich bin reiner Geist.
Ich schwebe überm Pflaster wie ein Hauch.
Ich schwebe, schwebe. Niemand dreht sich um.
Was können die Frauen schon an mir sehen.
Ich bin ein Engel. Ich muss vorerst stumm
erdulden, wie sie lustlos weitergehn.

Mein Dienstgrad ist im Himmel eingetragen,
als Engel bin ich höhern Orts bekannt.
Jedoch bedenkt: Zu dem SIE Satan sagen,
der war als Engel Luzifer benannt.

Jewgeni Jewtuschenko

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Intensives Dankeschön an alle, die hier kommentierten und den Blog abonniert haben, auch für die vielen Emails bedanke ich mich herzlich, einige habe ich schon beantwortet aber andere müssen leider noch etwas warten. Bei mir geht jetzt der vollgestopfte Alltag wieder los. Das Kind hat Wechselunterricht, die Mutter im Wechsel Homeoffice und Präsenzpflicht auf der Arbeit, beide Wechsel lassen sich ohne meine Unterstützung aber nicht kombinieren. Also wird meine Zeit wieder knapp, das wenige was bleibt sind die Momente in denen ich mir selbst ein guter Hirte bin und anhalte, in die Stille falle und ausatmen kann.
Auf bald dann also, wenn mal wieder eine größere Lücke ist.

Euer Engel 😉

Rehaugen

Wehrlos, still!
Es umgibt uns. Wie Wasser, wenn wir ein Fisch wären.
Wie Schnee, stünden wir lautlos im Winterwald.
Hoffend der Jäger entdeckte uns nicht.
Keine Angst vor dem Sterben, keine Angst vor dem Tod, jedoch –
noch ein wenig genießen, dies!

Schnee hat keinen Geruch,
und überdeckt doch jeden.
Wasser riecht nicht, wenn es rein ist.
Aber es schmeckt.
Wie aber kann es schmecken, wenn es doch nicht riecht?
Geschmack entsteht durch das Riechen, heißt es-
so rieche ich also die Frische und erkenne nicht, dass Frische ein Geruch ist.

Und so fühle ich die Stille und erkenne nicht, dass Stille ein Gefühl ist?
Weil Stille vibriert, so wie Wasser fließt.
Weil Stille vibriert, so wie Schnee fällt.
Weil Stille vibriert, so wie Wasserdampf aufsteigt.
Weil Stille vibriert, so wie du hier bist,
selbstverständlich und still, unbemerkt.

Danke, du mit den Rehaugen ❤